Should I stay or Should I go

„Should I stay or should i go now? If I go, there will be trouble. If I stay it will be double. So you got to let me know. This indecision‘s bugging me.“

Der Song von der Gruppe „The Clash“ handelt weniger von einer reifen Beziehung als von einer, wo die ersten Schmetterlinge im Bauch weggeflogen sind und sich zumindest einer von beiden die Frage stellt: „Wird das was mit uns oder nicht?“

Was aber, wenn der Gedanke „zu gehen“ in einer reifen, vielleicht schon sehr lang andauernden Beziehung mit Kind(ern) und Eigentum auftritt? Häufig auch bei Partner(innen), die sich in ihrem sogenannten „3. Akt“ wiederfinden. D.h. wenn Kinder, dann sind die schon aus dem Haus, man denkt schon über seine Rente nach oder steht kurz davor. - Man schaut den letzten 30 Sommer entgegen, wenn alles gut geht.

Die Paare, die meine Praxis aufsuchen, wo mindestens ein Partner sich diese Frage stellt, finden sich sowohl unter denen, die noch in der „Rushour des Lebens“ sind als auch unter denen, die anfangen zu begreifen, dass es nicht mehr unendlich viele Sommer gibt.

Irgendwann mit wachsender Unzufriedenheit, nicht erfüllten - oft auch nicht geäußerten Bedürfnissen, taucht sie auf und lässt einen nicht mehr los.

In diesen für Paare besonders kritischen Umbrüchen, werden die gelernten Beziehungsmuster häufig bedient und führen zu wiederkehrenden Streit- und Konfliktmustern zwischen beiden Partnern.

Hier ein Fallbeispiel: Ein Paar seit 15 Jahren zusammen, beide Anfang 50 und ein Kind. Ständiger Streit. Die jeweilig gelernte Überlebensstrategie ist aktiviert und ein Kreislauf aus Konfrontation und Resignation hinterlässt seine Spuren im Beziehungsalltag. Die Spuren führen zu einer immer weiter anwachsenden Distanzierung. Sie übt mit wachsender Enttäuschung und Überforderung immer mehr „Druck“ aus durch Ansprüche, Bewertungen und „stille“ Bedürfnisse. Er zieht sich immer mehr zurück, sie fühlt sich noch mehr allein gelassen und nicht gesehen, demonstriert aber ihm gegenüber Überlegenheit und Geringschätzung. Er verweigert sich und geht aus dem Kontakt. Sie nimmt es als Desinteresse und Gleichgültigkeit wahr.

Auf Dauer stellt sich bei beiden sicherlich die Frage: Should I stay or Should I go … oder sie durchbrechen ihre Muster. Sie hat gelernt, stark sein zu müssen und nicht kontrolliert zu werden. Dabei ist das Bedürfnis da, Unterstützung zu bekommen und sich auch mal anlehnen zu dürfen. Er hat gelernt, sich zurückzuziehen und sich im Konflikt, „unsichtbar zu machen“. Hat aber das Bedürfnis in der Partnerschaft „gesehen und wertgeschätzt zu werden“.

Die Neupositionierung als Paar bedeutet Arbeit. - Aber damit wächst eben die Möglichkeit, zu bleiben und gemeinsam zu wachsen.

Sowohl bei der Analyse der gelernten Beziehungsmuster und deren Konsequenzen für die Partnerschaft, als auch bei der Entwicklung neuer Paarinteraktion und dem „Loslassen“ der nicht adäquaten Verhaltensweisen, kann Paartherapie einen wesentlichen Beitrag leisten.

Beziehungsweise sind beziehungs-weise.

Alle Liebe

Eure Traudel

delaroi .